Ein kleiner Bericht über ein großartiges Turnier

Von Helmut Küchner (Cottbus)

Am 26. Oktober 2013 fand in Stradow im Spreewald das 7. Internationale Freundschaftsturnier der Showdown-Gruppe Cottbus statt, an dem 16 Spieler und 4 Schiedsrichter aus drei Ländern — Holland, Tschechien und Deutschland — teilnahmen.

Unterstützt wurden sie von zwei Begleitern und acht Helfern, von denen sechs der „Firma Winkelgrund" angehören. Diese Familie ist seit 10 Jahren mit dem Showdown verbandelt, und jeder trug auf seine Weise zum Gelingen des außergewöhnlichen Blindensportereignisses bei. Reinhard — klar — mit der Gesamtorganisation mit Dutzenden Mails und Gesprächen; die unverwüstliche Gerlind als Hauptassistentin und Köchin, als Verantwortliche für Verpflegung,Versorgung und Kontakte; die Geschwister Lothar und Erika für die Turnierschreiberei mit buchhalterischer Genauigkeit als Voraussetzung für die Nachvollzugsmöglichkeit jedes einzelnen Spieles und für die Platzierungsberechnung (jeder bekam seine Urkunde); Maria als Küchenhelferin, Betreuerin und Fahrerin; Friedrich als Spielplatten-Transporter, -Auf und Abbauer (Vater und Sohn verstehen sich blind); und Karl, der „Jüngste aber nicht Geringste", stellte das Quartier auf seiner landschaftlich reizvoll gelegenen Teichwirtschaft, räumte aus und ein und lieferte den Spitzenbeitrag zum europäischen Abendmahl: die unvergleichliche Räucherforelle!

Der Familie Winkelgrund aus dem Branitzer Hintergrund ein Extra-Dank im Vordergrund!

Nun aber zum Turnier.
Die Zusammenfassung könnte nicht besser gesagt werden als von dem jungen, blinden Hamburger Paar (mit geringem Seh-Rest, sie ist Physiotherapeutin, er von der IT-Branche), das in seiner Gruß-Mail zu folgender Einschätzung gelangte: „Das war wirklich ein feines Turnierchen bei euch und hat uns sehr gefallen! Liebe Grüße von Kirstin und Mario aus Hamburg“

Schauen wir auf den Verlauf des Turniers, das Reinhard en gros und en detail ausgearbeitet hatte: eine ganze Mappe war gefüllt. Er hatte auch eine Liste, auf der alle Spieler und Helfer verzeichnet waren. Da stand unter Punkt 28: „Ein Blindenführhund für Elles — kein Startgeld und kein Bier."

Gespielt wurde in vier Runden an zwei Platten: Die Gewinner und Verlierer der ersten Runde kamen in Pool A und Pool B. Dann spielten in der zweiten Runde, jeweils 2 Gruppen jeder gegen jeden. In der dritten Runde spielte man mit 2 Gewinnsätzen über Kreuz (zwischen den Gruppen vom Pool A sowie auch zwischen den Gruppen vom Pool B) um die Platzierung für die Finalrunde. Das brachte neue Spannung. Reinhard hat diese Idee vom holländischen Turniermodell übernommen, und es hat sich bewährt.

Die vierte Runde war die Finalrunde, auch mit zwei Gewinnsätzen gespielt. Kein Spieler kam ohne ein Spiel verloren zu haben durch alle Runden. Und Mario aus Hamburg verstand es, wie vom ihm gewohnt, mit dem Vorteil seiner langen
Reichweite und seiner stabilen Verteidigung das Finalspiel zum Turniersieg für sich zu entscheiden. Den 2. Platz belegte Vaclav aus Prag, Reinhard wurde Dritter. Weitere Cottbuser Plätze waren alle im Pool B: Gabi den 2. Platz , Helmut den 4. und Siegfried den 5. Platz. Aber es ging natürlich nicht nur um die Plätze (siehe Liste im Anhang), sondern um die Teilnahme in sportlich fairer Weise. Dazu haben die vier Schiedsrichter wesentlich beigetragen. Bei jedem Spiel agierten zwei: der eine notierte, der andere sagte an, in Ruhe und ohne Hektik. In Zweifelsfällen berieten sich beide und dann wurde ein Ergebnis verkündet. Alle Spieler akzeptierten die Entscheidung, getreu dem Motto, was Reinhard bei der Begrüßung verkündet hatte: „Der Schiedsrichter hat immer Recht." Das hat sich auch hier in Stradow gut ausgewirkt, denn es gab keinen unfreundlichen Spielerstreit.

Selbst harte Entscheidungen wurden angenommen, in einem Fall auch mal mit sanfter langmütiger Nachhilfe von Reinhard. Die beiden Schiedsrichter-Teams waren: Michael aus Braunschweig und Marie aus Tschechien so wie Ronald aus den Niederlanden mit Dietmar aus Cottbus, den Reinhard für dieses Turnier gewonnen und „ausgebildet" hatte. Zur freudigen Überraschung war die Verständigung zwischen den Schiedsrichtern und auch mit den Spielern kein Problem.
So verlief der Wettkampftag harmonisch und ohne Stress.

Natürlich fragen Außenstehende völlig zu Recht: „Aber ist das nicht langweilig: mal ein Spiel und dann die ganze Zeit in den Aufenthaltsräumen warten, bis man wieder dran ist?" Hierzu kann man sagen: Langeweile kam überhaupt nicht auf. Entweder man sah bei anderen Spielen zu — da musste man allerdings den Mund halten, denn RUHE ist erste Showdown- Pflicht. Oder man unterhielt sich in einer Gruppe oder zu Zweit und erfuhr so viel Neues über die anderen Spieler, was sehr interessant war. Oder man ging spazieren an den Teichen entlang und konnte sich von kundigen Begleitern die herrliche Landschaft beschreiben lassen.

Mit den wahrscheinlich letzten milden Herbsttagen konnte man fast vergessen, dass es eigentlich auf den Winter zugeht, die pure Natur mit den großen Teichen bot für die Sehenden noch besonders seltene Bilder. Reiher und Kormorane beim Fischfang, Gänse, Enten , Schwäne, und andere wasservögel. Sogar Bilder vom Sonnenbad junger Biber wurden mit der Kamera eingefangen. Reichlich Fische waren natürlich auch zu sehen und zu hören. Auf den Wiesenflächen zwischen den Teichen waren auch Schafe und Ziegen nicht zu überhören. Ein besonderes Lob verdient wieder die schmackhafte und vielseitige Versorgung. Getränke konnten über die gesamte Zeit von 9 Uhr an „geordert" werden: Wasser,
Cola, Bier, Saft, Kaffee und Tee. Zum Mittag gab es Kassler von Gerlind und Hühnersuppe, Frühlingsrollen von Thi und Bauerntopf von Monika. Zum Vesper wurde verschiedener, zum Teil selbst gebackener Kuchen angeboten — alles fand seinen begehrten Absatz. Zwischendurch kam Thi — die Frau vom Schiedsrichter Dietmar Bubner —in den Aufenthaltsraum und steckte mit einem freundlichen „Guten Tag!" den dort Sitzenden ein paar Weintrauben oder Mandarinenstückchen in die Hand — ein liebevoller Vitaminstoß. Überhaupt hatte Thi das Kommando in der kleinen Küche übernommen, und das ging einwandfrei, wie auch Monika bestätigen konnte.

Der Tag verging wie im Fluge, und schon war die Siegerehrung heran gekommen. Die Gewinner vom Pool A und auch vom Pool B wurden mit einem Pokal geehrt, jeder Spieler erhielt seine Urkunde und ein kleines Fläschchen. Auch die Schiedsrichter, Begleiter und Helfer wurden bedacht und erhielten herzlichen Beifall.

Mit dem gemeinsamen Fischessen klang der erlebnisreiche Turniertag aus. Die Holländer, die bei der Anreise wegen einer Bombendrohung viel Verspätung hatten, schrieben nach ihrer Heimreise: „Die Organisation war wunderbar wie
die herzenswärmende Freundlichkeit. Wir alle hoffen Sie wiederzusehen. Ronald und Loes van der Velden" Was gibt es Schöneres, Reinhard, als im Zeichen des Showdowns Grenzen zu überwinden und Menschen und Nationen einander näher zu bringen?! Kleiner Bericht über ein großartiges Turnier

Anhängend die durchgehende Ergebnisliste.

Platz1: Mario Kratzer (Hamburg)
Platz 2: Vaclav Komurka (CZ)
Platz 3:Reinhard Winkelgrund (Cottbus)
Platz 4: Richard Gooijers (NL)
Platz 5:Elles Veenman (NL)
Platz 6: Martina Visnanska (CZ)
Platz 7: Bianca Stokkingreef (NL)
Platz 8: František Duchoň (CZ)
Platz 9: Loes (NL)
Platz 10: Gabriele Mitschke (Cottbus)
Platz 11: Petr Mira (CZ)
Platz 12: Helmut Küchner (Cottbus)
Platz 13: Siegfried Krause (Cottbus)
Platz 14: Erika Nolle (Braunschweig)
Platz 15: Kirstin Rosenbaum (Hamburg)
Platz 16: Dirk Busse (Braunschweig)

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