Die letzten Meter entscheiden
geschrieben von Christian Siegemeyer
Am Wochenende vom 1. bis zum 3. Mai 2026 fand die Division A der Damen und Herren ihren Abschluss in den Räumlichkeiten des fab in Kassel. 10 Spielerinnen und 15 Spieler fanden sich mit Coaches und Begleitpersonen am Tag der Arbeit ein, um Arbeit an der Platte zu verrichten – es galt, die neuen Deutschen Meister zu ermitteln, oder aber auch einfach „nur“ die Klasse in der obersten Liga zu halten.
Leider ist es bereits als bedauerliche Tradition zu bezeichnen, dass es wieder Ausfälle gab, die zu gewissen Vorentscheidungen führten: Sarah Pisek (Erlensee), Silke Larsen (Berlin) und der Nürnberger Sebastian Dellit, der bereits an seinem ersten Spieltag nicht antreten konnte, waren an der Teilnahme verhindert. Dies führte bereits zu den Vorentscheidungen, dass diese beiden Spielerinnen als Absteigerinnen bereits feststanden und Dellit zudem regelgemäß komplett aus der Tabelle genommen wurde.
Doch der Ehrgeiz des verbliebenen Teilnehmerfeldes war ungebrochen, und sowohl der Turnierverlauf als auch die Ergebnisse boten einiges an Auffälligkeiten. Bei den Damen ist zunächst das klare Spitzen-Trio bestehend aus der bislang ungeschlagenen Dortmunderin Melanie Forke sowie dem Hamburger Duo Bianca Schmidt und Sabrina Schmitz zu nennen, die in der Abschlusstabelle der Hauptrunde zwei Siege Abstand zum restlichen Teilnehmerfeld hatten. Derselbe Abstand ergab sich zwischen den Plätzen Acht und Neun. Mit jeweils drei Tabellenpunkten belegten Bianka Scharpenberg (Frankfurt) und Anja Dehoff (Erlensee) die Plätze Neun und Zehn. Die entscheidende Begegnung zwischen diesen beiden Spielerinnen hatte bereits an ihrem ersten Spieltag stattgefunden; Scharpenberg hatte diese in drei Sätzen für sich entschieden. Es war jedoch bereits an diesem Wochenende bekannt, dass die Frankfurterin Elvira Osewald nach dieser Saison ihren Abschied von der Einzelliga nehmen würde und damit die Zehntplatzierte als ranghöchste reguläre Absteigerin wieder in die Division A zurück rücken würde, sofern Osewald nicht selbst diesen Platz bekleiden würde. In der Vorsaison war Osewald auf Platz Zehn gelandet und ebenfalls wieder in die Division A zurück gerückt. In der aktuellen Saison erreichte sie aber den achten Platz, was sicherlich einen positiven Abschluss für sie darstellt. Aber auch Birgit Riester steigerte sich von Platz Neun auf Platz Sechs. Bei den Damen hat sich aber eine Kuriosität ergeben, die es in der Geschichte der Einzelliga so noch nicht gegeben hat: Alle anwesenden Spielerinnen des Spieltags in Viersen haben gegen alle Spielerinnen des Spieltags in Frankfurt gewonnen, bis auf Osewald, die ihrerseits Spiele gewonnen hat. Die ersten fünf Athletinnen der Abschlusstabelle der Hauptrunde haben also ihre jeweiligen Platzierungen verteidigt. Bettina Steffan zog als Viertplatzierte der Vorrunde ebenfalls noch ins Halbfinale ein.
Auch bei den Herren gab es interessante Auffälligkeiten und beachtliche Steigerungen. Zwischen den Plätzen Acht und Neun der Tabelle lagen am Ende ganze drei Tabellenpunkte! Der Bremer Antonius Reicksmann und Lutz Egeling (Quedlinburg) waren mit drei Siegen Differenz ebenfalls deutlich vom darüber liegenden Spielerfeld abgeschnitten. Am Samstagabend sah es allerdings auch für AlfonsVollmer (Paderborn) sehr düster aus, und auch der Bremer Thomas Lehrmann war noch abstiegsgefährdet. Tatsächlich hatte in der unteren Platzierungsriege ab Platz Neun Christian Siegemeyer (Dortmund) als einziger den Klassenerhalt sicher, nachdem er am Samstagmorgen sein erstes Match gegen Egeling in drei Durchgängen gewonnen hatte. Doch Vollmer und Lehrmann legten dann eine fulminante Aufholjagd hin und gewannen jeweils alle ihre drei Spiele am Samstag. Vollmer schaffte es mit seinen vier Siegen noch auf Rang zwölf, wobei er sein Spiel gegen den Dortmunder Andreas Schmitz (ebenfalls vier Siege) im dritten Satz mit 11:9 abschloss. Insgesamt gab es aber beachtliche Steigerungen in den Platzierungen zu verzeichnen: Lehrmann und Siegemeyer erreichten die Plätze Zehn bzw. Neun, was für beide jeweils ihre Bestplatzierung darstellt. Dennis Kapp (Moers) und Maurizio de Paola (Frankfurt) verbesserten sich auf Rang Acht bzw. Sechs (ebenfalls deren jeweilige Bestplatzierung), und Deniz Kürtoglu sprang von Rang Acht auf Rang Zwei in der Vorrunde. Hervorzuheben ist Christoph Niehaus, der in der Vorrunde ungeschlagen blieb, während Kürtoglu insgesamt drei Spiele abgegeben hatte. Mohammed Taher Alharari (Bremen) wurde dritter und der Frankfurter Manfred Scharpenberg komplettierte das Halbfinal-Quartett. Dieser hatte allerdings arg zu knüppeln, den der Hauptstädter Benjamin Samoray war mit nur einem Sieg weniger auf dem Punktekonto auf Rang Fünf gelandet. Die entscheidende Begegnung war an Knappheit kaum zu überbieten: Scharpenberg sicherte sich das Halbfinalticket mit 11:9, 8:12 und 12:9!
Am Sonntag standen nur noch die Finalrunden auf dem Plan. Viele waren bereits abgereist, doch auch die eher gemütliche Runde schmälerte die spannungsgeladenen Stimmung in keiner Weise! Die Halbfinals der Herren verliefen sehr unterschiedlich. Während Niehaus gegen Scharpenberg in die volle Satzanzahl musste (5:12, 11:5, 12:14, 11:4, 11:5), Ließ Taher Alharari von Kürtoglu ab dem zweiten Durchgang nicht mehr viel übrig (11:9, 11:0, 12:2).
Bei den Damen war es ähnlich differenziert: Während Forke ihre Kontrahentin Steffan mit 11:5, 11:4 und 11:6 souverän bezwang, war der benötigte Kraftaufwand für Schmitz gegen ihre Vereinskameradin Schmidt schon beträchtlicher. Sie brauchte zwar nur vier Sätze, doch diese gestalteten sich allesamt eng (11:8, 11:13, 10:12, 9:11). In diesem Spiel war klar erkennbar, dass sich beide bzgl. Spielstärke in nichts nachstehen, doch Schmitz gelang es, ihren Erfahrungsvorteil auszuspielen.
Die Kleinen Finals sollten den Zeitplan noch ein wenig durcheinander bringen, denn sie gingen beide in den fünften Durchgang! Kürtoglu und Scharpenberg legten ihr altes „Drehbuch“ wieder auf, welches sie in der Vergangenheit bereits mehrfach gespielt haben: Scharpenberg gewann die ersten beiden Sätze und Kürtoglu dann die letzten drei (8:12, 7:12, 11:6, 12:4, 11:3)!
Schmidt bezwang Steffan mit 11:8, 11:2, 6:11, 5:11 und 13:10. Die junge Nachwuchsspielerin freute sich über den Bronze-Pokal, war dabei aber gewohnt bescheiden. Steffan zeigte sich ihrerseits als gute Verliererin, als sie dieses packende Duell als „Treffen der Generationen“ bezeichnete. Diese Formulierung spiegelt eine ganz bestimmte Freude von ganz Showdown Germany wider, nämlich die, dass es Nachwuchsspieler gibt!
In den beiden Finals kam neben dem üblichen Scoresheet auch der eScoresheet der Turnierseite von Alfons Vollmer zum Einsatz. Bei den Herren standen Taher Alharari und Niehaus beide zum ersten Mal in ihrer Showdown-Laufbahn im Finale im Kampf um Gold und ließen es auch hier wieder in den fünften Satz gehen! Nachdem Niehaus im ersten Durchgang zunächst in Führung gegangen war, drehte Taher Alharari den Spieß um und sicherte sich die Satzführung mit 11:9. Danach verkürzte Niehaus seinen 1:8-Rückstand auf 7:10, kassierte dann aber den finalen Torschuss, so dass Taher Alharari nun zwei Satzsiege hatte. In der dritten Runde war es Niehaus, der zunächst mit 6:2 in Führung ging und dann beim 10:7 das Tor zum Satzsieg schoss. Als regelrechter Krimi erwies sich der vierte Satz. Nachdem Niehaus mit 7:1 führte, setzte Taher Alharari zu einer Aufholjagd an, so dass es dann schließlich 10:10 stand. Niehaus konnte dann erst in der Satzverlängerung (12:15) den finalen Durchgang einläuten. Dort dominierte allerdings Taher Alharari mit 11:6 und stieß einen lauten Jubelschrei heraus, der im ganzen Gebäude zu hören war.
Bei den Damen gelang Forke im ersten Satz zunächst ein guter Einstieg, den Schmitz dann aber aufholen konnte und auf ein 6:6 aufschloss. Sie behielt dann die Oberhand und zwang Forke mit 12:7 in den Satzrückstand. Nach einer leichten Führung Forkes im nachfolgenden Durchgang sah es zunächst so aus, als wenn Schmitz ihr abermals den Satz abnehmen würde, als sie das 6:4 schoss. Doch dann packte Forke ihr weiteren Kraftreserven aus, verbesserte aber vor allem stetig ihre Verteidigung und ließ keinen Gegenpunkt mehr zu (12:6). Der Satzausgleich war also geschafft. Ab der Mitte der dritten Runde wurde diese ein Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden erfahrenen Sportlerinnen. Doch beim 9:9 bewies Forke Nervenstärke und erzielte den Lucky Punch! Mit fortschreitendem Spiel war deutlich zu erkennen, dass die Treffsicherheit beider Duellantinnen mehr und mehr nachließ. Beide bewiesen ihre Spielklasse, indem sie das immer wieder kompensierten. Im vierten und letzten Durchgang war Forkes Verteidigung derart stark, dass sie bei einem 11:4 kaum etwas anbrennen ließ. Für beide galt es jedoch, konzentriert zu bleiben! So fokussiert Forke auch bis zuletzt blieb, so laut war dann auch ihr Jubelschrei, nachdem ihr der entscheidende Torschuss gelang.
Die Siegerehrung wurde zu einer kleinen Mini-Party mit einer Foto-Session für Erinnerungsbilder. Wir bedanken uns bei den Schiedsrichtern Florian Grosch, Gabriel de Paola, Jonas Riester, Valeria Thürnau und Lennart Vulprecht sowie bei der Turnierleiterin Andrea Rippich. Dem Standort Kassel und seinen vielen Helfern danken wir ebenfalls für ein sehr schönes Turnier, bei dem alle Anwesenden mit Wasser, Kaffee, belegten Brötchen und Kuchen sowie selbst gekochten Abendessen am Freitag- und Samstagabend verwöhnten.
Es war ein sehr erlebnisreiches Wochenende. Den finale Spieltag der Division A erfüllt die Funktion der Deutschen Meisterschaft, wie sie vor der Einführung der Einzelliga ausgetragen wurde. Somit haben wir in diesem Jahr ein Jubiläum zu verzeichnen: Die erste Deutsche Meisterschaft wurde 2011 im brandenburgischen Rheinsberg ausgetragen. Seitdem hat sich viel verändert. Seit 2017 spielen Damen und Herren getrennte Meisterschaften bzw. Einzelligen. Zur ersten Deutschen Meisterschaft musste die Teilnehmerschaft noch „zusammengetrommelt“ werden, und auf dem Turnier selbst mussten teilweise nochmal die Regeln erklärt werden. Sicherlich lässt sich diese Liste noch endlos fortführen, aber eines ist gewiss: Showdown entwickelt sich in Deutschland stetig weiter, und es kommen immer neue Showdowner hinzu! Vergleicht man die Teilnehmerliste der ersten Deutschen Meisterschaft mit der Teilnehmerliste der Einzelliga-Saison 2025/2026, so lassen sich einige Personen finden, die damals wie heute dabei waren. In der Division A sind es Elvira Osewald, Bianka Scharpenberg, Antonius Reicksmann und Letz Egeling. In der Division B sind es Bernd Dorer, der sich den Aufstieg in die Top 16 erspielt hat, sowie Thorsten Wolf und Heiner Schad. Wieder zurückgekehrt ist Mario Rosenbaum, der direkt durch die Division C Nord spaziert ist und in der nächsten Saison in der Division an den Start geht. Die letzten 15 Jahre waren geprägt von einer enormen Entwicklung des deutschen Showdowns. Was wird wohl die nächsten 15 Jahre passieren? Wer weiß, das hängt alles von uns ab! Aber freuen wir uns doch erst einmal auf die nächste Saison!
Es folgen die Platzierungen der Damen und Herren:
Damen:
1. Melanie Forke (Dortmund, 11 Siege in der Hauptrunde)
2. Sabrina Schmitz (Hamburg, 10 Siege in der Hauptrunde)
3. Bianca Schmidt (Hamburg, 9 Siege in der Vorrunde)
4. Bettina Steffan (Kassel, 7 Siege in der Vorrunde)
5. Birgit Riester (Kassel, 6 Siege)
6. Annika Hain (Marburg, 6 Siege)
7. Nicole Kampa (Erlensee, 5 Siege)
8. Elvira Osewald (Frankfurt, 5 Siege)
9. Bianka Scharpenberg (Frankfurt, 3 Siege)
10. Anja Dehoff (Erlensee, 3 Siege)
11. Sarah Pisek (Erlensee, 0 Siege)
12. Silke Larsen (Berlin, 0 Siege)
Herren:
1. Mohammed Taher Alharari (Bremen, 11 Siege in der Hauptrunde)
2. Christoph Niehaus (Marburg, 14 Siege in der Hauptrunde)
3. Deniz Kürtoglu (Kassel, 11 Siege in der Hauptrunde)
4. Manfred Scharpenberg (Frankfurt, 10 Siege in der Hauptrunde)
5. Benjamin Samoray (Berlin, 9 Siege)
6. Maurizio de Paola (Frankfurt, 9 Siege)
7. Kevin Barth (Dortmund, 9 Siege)
8. Dennis Kapp (Moers, 8 Siege)
9. Christian Siegemeyer (Dortmund, 5 Siege)
10. Thomas Lehrmann (Bremen, 5 Siege)
11. Martin Osewald (Frankfurt, 5 Siege)
12. Alfons Vollmer (Paderborn, 4 Siege)
13. Andreas Schmitz (Dortmund, 4 Siege)
14. Antonius Reicksmann (Bremen, 1 Sieg)
15. Lutz Egeling (Quedlinburg, 0 Siege)
