Geschichte 2. Teil: Showdown kommt nach Berlin

2.Teil. "Berliner Showdown-Historie" von Andrea Vulprecht

Die Wiege steht in der Lausitz

Einige/zwei deutsche blinde Teilnehmer der Paralympics in Barcelona hatten dort Tischball ausprobiert und bauten für ihre ebenfalls blinden Freunde in der Lausitz eine solche Platte aus dem Gedächtnis nach.
Reinhard Winkelgrund aus Cottbus fuhr in den kleinen Ort Groß Jamno in der Lausitz und war sofort begeistert von den sportlichen Möglichkeiten, die so eine Platte für Blinde und Sehbehinderte bot. So etwas wollte er unbedingt haben.

Also hat er in seiner eigenen Werkstatt zu Hause selbst ebenfalls so eine Platte gebaut.

Wir beide - Andrea und Detlef Vulprecht - haben zum ersten Mal Tischball bei den blinden Freunden in der Lausitz kennengelernt und erfuhren von ihnen, dass Reinhard Winkelgrund so etwas bauen würde.
So nahmen wir bald Kontakt zu der Familie Winkelgrund auf und besuchten sie des öfteren, um mit den Cottbuser Sportfreunden, die sich jeden Montag zusammenfinden, gemeinsam Tischball zu spielen.
Zu dieser Zeit hatten sie noch nicht die "richtigen" Bälle, und die Platten sahen noch völlig anders aus als die Originale, was damals aber niemand wissen konnte. Als Ersatz mussten die Bälle herhalten, die es bei McDonalds für die Kinderspielplätze gibt. Diese Bälle wurden mit kleinen Steinchen gefüllt , um sie hörbar zu machen, waren aber viel zu leicht für das Spiel.

Hilfe aus Holland

Um an die Spezialbälle heranzukommen, haben wir unsere Freundin Patricia Sanders aus Holland um Hilfe gebeten. Diese schickte uns die ersten "Rasselbälle" und erklärte, dass es diesen Sport in Holland schon ganz lange gibt und dass er Showdown heißt. Durch sie erhielten wir deutschen Showdown-Freunde eine Einladung zu einem holländischen Vereinsturnier in Dongen (bei Tilburg). Wir erfuhren, dass in vielen europäischen Ländern Showdown sehr verbreitet ist und internationale Turniere sowie Europa- und sogar Weltmeisterschaften regelmäßig ausgetragen werden.

Am letzten Märzwochenende 2007 machten sich Reinhard Winkelgrund und seine Frau Gerlind, Dietmar Miersch und wir beiden aus Berlin auf nach Dongen in Holland. Wir wurden herzlich in Empfang genommen, und es war der Beginn einer andauernden Freundschaft.

Zu Beginn des Turniers erlebten wir Sportler aus Deutschland erst einmal eine Überraschung: Die Platten waren mindestens einen Meter länger und aus einem anderen Material - sahen also völlig anders aus und spielten sich viel schneller als die, die wir bis jetzt kannten.

Trotzdem haben sich alle gut in dem Turnier behauptet und waren begeistert als Dietmar Miersch aus Cottbus sogar einen Pokal im C-Pool gewonnen hat. Von da an waren wir regelmäßig bei Turnieren in Holland zu Gast.

Berlin beginnt

Reinhard Winkelgrund hatte seine Platte schon öfter auf den Sommerfesten des Berliner Blinden- und Sehbehindertensportvereins vorgestellt, und es gab begeisterten Zuspruch. In Berlin wollten wir auch Showdown betreiben, stießen aber auf Widerstände, was den Platz anging. Wir brauchten einen Raum, in dem wir die Platte aufstellen konnten.

Wir wurden und werden immer wieder eingeladen zu Turnieren im Showdown und sind dort in Holland schon so etwas wie gute alte Bekannte. Als die holländischen Freunde uns dann im September 2007 während eines Turniers in Tilburg eine Platte schenkten, war das der Anstoß, der den Ball ins Rollen brachte. Der Vorsitzende des Berliner Blinden- und Sehbehindertensportvereins, Thorsten Wolf, organisierte den Transport der Platte von Tilburg nach Berlin. Allerdings wussten wir dann immer noch nicht wohin damit und mit uns, die wir so gern spielen wollten.

Thorsten konnte dann nach einem halben Jahr, in dem die Platte auseinander genommen in seiner Wohnung stehen musste, den Sportlehrer der Johann-August-Zeune-Schule dazu überreden, dass die Platte in die Schule gebracht werden durfte. Der Hausmeister musste auch noch überzeugt werden, und dann durften wir endlich nach einigen Fehlversuchen im April 2008 jeden Montag die Platte im Flur vor der Aula aufstellen und Showdown spielen. Unsere Freude war so groß, dass wir die holländische Platte mit Sekt auf den Namen "Antje van Holland" getauft haben.

Endlich hatten wir einen Standort! Und dann kamen auch schon die ersten Interessierten. Wir waren eine noch kleine, aber enthusiastische Gruppe von Spielern.

Doch dann machte uns die Berliner Schulverwaltung einen Strich durch die Rechnung. Um Geld zu sparen, sollten die Hausmeister an den Berliner Schulen abends keinen Dienst mehr ausüben, was für uns zur Folge hatte, dass wir nicht mehr an unsere Platte kamen. Thorsten hat für uns dann den Gymnastikraum reservieren können, und jetzt konnten wir von 19.30 Uhr an trainieren, was ziemlich spät und auch nicht sehr lange war, da spätestens um 22.00 Uhr Schluss gemacht werden musste. Bis wir dann in die große Turnhalle durften, war die Gruppe schon auf zehn Spieler angewachsen. Leider musste aber in den Schulferien Showdown immer ausfallen.

1. Spree-Showdown-Cup 2009

Für Mai 2009 hatte Thorsten Wolf im Namen des BBSV zu einem Workshop für Showdown mit Beteiligung aus dem ganzen Bundesgebiet eingeladen. Dafür hat der Verein extra noch eine nagelneue Platte von Reinhard Winkelgrund bestellt, die wir kurz vorher einspielen konnten.

Ingrid Welling und Peter de Cock reisten zu unserer Unterstützung aus Holland an, um den Teilnehmern zu zeigen, worauf es beim Showdown ankommt.

Höhepunkt dieser Berliner Tischballtage war der 1. Spree-Showdown-Cup, der am 23. Mai 2009 in der Johann-August-Zeune-Schule auch unter Beteiligung der Cottbuser Sportfreunde ausgespielt wurde. Die Berliner Tischballtage waren ein Riesenerfolg, und alle Beteiligten von außerhalb fuhren begeistert nach Hause und wollten ebenfalls Showdown-Platten bauen.

Der Funke sprang über und brennt weiter

Nach diesen tollen Tischballtagen in Berlin entschlossen sich Jürgen Beer, Reinhard Winkelgrund sowie Andrea und Detlef Vulprecht ganz spontan, am Internationalen Showdown-Turnier "Show Prague 2009" Anfang Juli 2009 teilzunehmen. Stefan Wimmer, ein sehender Freund von Jürgen, hatte sich als Kampfrichter gemeldet.

Die tolle Atmosphäre und euphorische Stimmung trugen dazu bei, dass Jürgen und Reinhard sich gleich danach für die Weltmeisterschaft in Schweden angemeldet haben, und Thorsten gesellte sich noch dazu.
Die schwedischen Showdown-Freunde haben eine sehr gut bedienbare und interessante Internetseite nur für Showdown gestaltet; für die Dauer der WM 2009 wurde sie stündlich aktualisiert, so dass wir zu Hause am Computer ständig die Spielergebnisse verfolgen konnten, während wir unseren drei Männern in Schweden die Daumen drückten.

Stefan Wimmer hat sich an der schwedischen Internetseite orientiert und für uns eine deutsche Variante gestaltet: www.showdown-germany.de. Dazu gehört seit Neuestem auch noch eine Mailingliste, in die sich jeder eintragen kann, der an Showdown interessiert ist.

Durch Jürgens Engagement haben wir jetzt noch einen weiteren Standort für die zweite Platte gefunden, an dem auch öfter als nur einmal wöchentlich gespielt werden darf - eigentlich fast täglich.

Inzwischen sind wir auch ganz gut mit Schlägern ausgestattet, weil Frank Larsen in fleißiger Heimarbeit eine Schablone gefertigt und gemeinsam mit seiner Frau Gabi schon etliche Schläger produziert hat. Er ist allerdings immer noch auf der Suche nach dem optimalen Material: schön leicht, aber trotzdem hart und haltbar.

Wir haben jetzt auch Bezugsquellen für Showdown-Platten, Schläger und Bälle aufgetan. Diese sind auf der Internetseite unter dem Link Bezugsquellen zu finden.

Der Ball rollt weiter

Am 28.08.2009 sind wir mit dem ABSV-Bus nach Hannover gefahren zum ersten Louis-Braille-Festival Deutschlands. Für diesen Anlass hat Frank Larsen unsere Platte erst restaurieren und dann neu streichen lassen. Sie sah dann wieder richtig gut aus, und wir konnten uns auf dem Festival damit sehen lassen, um auch andere für Showdown zu begeistern.

Dort standen wir bis Sonntag, den 31.08.2009 mit unserer Showdown-Platte allen interessierten Gästen Rede und Antwort zu diesem Sport, und sie konnten alle selbst einmal spielen. Nach den begeisterten Äußerungen und interessierten Anfragen können wir uns vorstellen, dass es in kurzer Zeit in ganz Deutschland noch mehr Showdown-Gruppen geben wird und dieser Sport vielen Blinden und Sehbehinderten zugänglich wird.

Pläne für die nächste Zeit

Die nächsten Termine sind schon vorgemerkt:

  • Ende September gibt es ein Showdownturnier im Spreewald.
  • Am 09.10.2009 geht zum ersten Mal eine deutsche Mannschaft an den Start der Paragames in Breda/Holland.
  • In Soest gibt es inzwischen eine selbst gebaute Platte. In Kassel und Frankfurt/Main ist man in der Planung für Showdown-Gruppen.

Und wir in Berlin könnten eigentlich noch einige neue Platten aufstellen, da immer mehr Leute zu uns stoßen, die Showdown spielen wollen.
Wenn wir nur genügend Räume dafür hätten. Dieses Problem besteht also immer noch.

Aber es rollt was in Berlin und rollt und rollt und rollt …

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