Geschichte 1. Teil: Die Anfänge in Cottbus

1. Teil: "Die Anfänge in Cottbus" von Reinhard Winkelgrund

Entwicklung von Showdown in Deutschland aus meinem Cottbuser Blickwinkel

Im Jahr 2003 begann alles!

Im Frühjahr 2003 rief mich der blinde Sportfreund Gerd Franzka aus Lübben/Spreewald an. Er hatte als Teilnehmer der Paralympics in Barcelona mit "Showdown" Bekanntschaft gemacht.

Nur aus der ertasteten Erinnerung heraus hatte er eine Platte für Showdown nachgebaut. Diese Platte schenkte er der Familie Turteltaube-Uduc (auch ehemalige Paralympics  Teilnehmer)  aus Groß Jamno, einem kleinen Ort in der Nähe von Cottbus. Ich konnte dort spielen, und war gleich hellauf begeistert.

Wenn ich schon nicht mehr richtig Tischtennis spielen kann, ist das doch ein sehr schöner Ersatz, dachte ich mir, und so eine Platte lässt sich  von mir bestimmt selbst bauen. Allerdings sagte ich mir auch gleich, für eine alltägliche Nutzung muß ich die Platte leichter und handlicher machen. Von Anfang an war bei mir der Wunsch geweckt, Showdown in näherer Umgebung und auch in Deutschland zu verbreiten.

Da ja in Deutschland keine weiteren Spieltische vorhanden waren, wollte ich meinen Tisch so konstruieren, dass ich damit ohne große Probleme auf Wanderschaft gehen kann. Und außerdem musste die Platte auch so sein,  dass sie sich von mir als Blinder allein auf- und abbauen und auch in unserer Garage als auch in unserem normalen PKW-Kombi leicht verstauen lässt. Als ehemaliger Bauingenieur machte ich mich an die Arbeit, ein mühsames Unterfangen, besonders weil ich keine gerundeten Teile für die Bande hatte.

Die Platte habe ich dann in 3 Teilen mit abnehmbaren Bandenteilen konstruiert. Aber nach etwa 4 Monaten waren meine Platte, Schläger und Bälle fertig. Auch bei den Bällen musste ich improvisieren. Als Ersatz mussten die Bälle herhalten, die es bei McDonalds für die Kinderspielplätze gibt. In die Bälle wurden einige Metallkügelchen gestopft um sie hörbar zu machen. Da meine Frau von dieser Spielmöglichkeit für Blinde auch gleich angetan war, waren wir uns schnell einig, unsere Garage als ständigen Spielort zu nutzen und das Auto nur für die Spielzeit die Garage verlassen muss.

Während der Arbeit kamen mir natürlich Gedanken, werde ich auch andere Mitspieler finden. Der Stammtisch unserer Bezirksgruppe des Blindenverbandes war eine willkommene Gelegenheit, von meiner Idee zu erzählen, und bald hatte ich drei weitere Interessenten für das Spiel gewonnen. Nun konnten alle die Fertigstellung der Platte kaum erwarten.

Am 09.Oktober 2003 konnten wir endlich in Cottbus loslegen. Seitdem sind alle Spieler so von dem Spiel angetan, dass jeden Montag Nachmittag - Sommer wie Winter - gespielt wird.

Sehr schnell erkannten wir schmerzhaft, dass man nicht ohne Schutzhandschuhe spielen kann.

Da sich keiner unter dem Begriff "Showdown" etwas Genaues vorstellen konnte, nannten wir es "Tischball" oder "Tischtennis für Blinde".

Am 11.07.2003 fand dann bei Familie Uduc der erste Wettkampf statt. and dem neben Familie Uduc auch unsere Spieler teilnahmen. Das war
ein tolles Erlebnis. Bei der Siegerehrung hat Bernd Uduc sogar die Nationalhymne gespielt.

Das Jahr 2004

Am 06.06.2004 hatten wir dann unseren ersten Wettkampf in Cottbus mit den 4 Cottbuser Spielern und Marita und Bernd Uduc und Tochter Melany.

Ich schrieb einen Hörerbeitrag für die Zentralbücherei Leipzig DZB und die Blindenzeitschrift "Gegenwart".

Das Jahr 2004 ging ohne besondere Ereignisse zu Ende, Die Spielbegeisterung unserer kleinen Gruppe nahm eher zu als ab, und ich wartete ungeduldig, dass sich doch mal jemand meldet, der von Tischball etwas gehört hatte und neugierig geworden war.

Zu dem Zeitpunkt hatte sich aber auch schon ganz klar gezeigt, dass Tischball gemeinsam mit Sehenden in allen Altersstufen, und als Familiensport sehr gut geeignet ist, die soziale Komponente dabei eine große Rolle spielt.

Frau Priese und Herr Hoffmann waren die ersten Berliner, die uns besuchten, um mit uns zu spielen. Nun sprach es sich langsam herum.

Inzwischen waren auch Andrea und Detlef Vulprecht mit Sohn Lennard in Cottbus. Auch sie waren nach dem ersten Spiel so begeistert, dass der Wunsch nach einer eigenen Platte von mir noch 2004 erfüllt wurde. Gerne hätten sie das Spiel in Berlin verbreitet. Aber räumliche Voraussetzungen waren in Berlin zu der Zeit nicht verfügbar. So stellten sie die Platte bei sich im Garten auf. Aber wenn sie Zeit hatten, kamen sie gerne zu uns zum Spielen.

Das Jahr 2005

Im Mai 2005 kam eine Jugendgruppe aus Berlin zum Spielen nach Cottbus, unter anderen auch Christel Jung, Thorsten Wolf und Lothar Rehdes. Sie luden uns zum Sommerfest des Berliner- Blinden- und Sehschwachen-sportvereines am 24.06.2005 nach Berlin ein, um meine Platte dort vorzustellen.

Am 07.06.2005 kamen Gerd Franzka, Lothar Rehdes und Vulprechts zu unserem Freundschaftsspiel nach Cottbus.

Im Oktober bat uns Vattenfall, mit unserer Platte zu einer Präsentation nach Hoyerswerda zu kommen.

Das Jahr 2006

Dann meldete sich die Stiftung St.Franziskus, eine Einrichtung für behinderte Schüler in Heiligenbronn. Im Juni 2006 konnte ich ihnen eine Platte übergeben.

Das Spiel wurde auch hier mit Begeisterung aufgenommen. Es gab dort inzwischen eine Veränderung beim Personal, und so ist der Kontakt leider abgebrochen.

Das Jahr 2007

Ich wusste, dass dieses Spiel bereits in Kanada und den Niederlanden gespielt wird, habe oft daran gedacht, Kontakt aufzunehmen. Aber dann haben Andrea und Detlev Vulprecht es wahrgemacht. Sie haben eine Freundin in den Niederlanden und über sie Kontakt hergestellt.

Es begann die Suche im Internet. Wir fanden nun heraus, dass das Spiel bereits in über 30 Ländern der Erde gespielt wird, es sogar Welt- und Europameisterschaften gibt. Die Tische hatte ich in Ermangelung an konkreten Maßen nach eigener Vorstellung gebaut. Sie waren fast einen Meter kürzer, die Bande höher und die Tore eckig. Nun hatte ich endlich genaue Maße nach internationalem Maßstab. Das ließ mir keine Ruhe, und ich baute mir eine neue Platte. Auch die Spielregeln waren bei uns nicht so streng. Wir spielen eigentlich nur aus "Spaß an der Freude". Natürlich erwacht auch der Ehrgeiz, ein Spiel zu gewinnen. wir haben meistens ohne Sehende und Trainer gespielt, so dass man oft nicht sagen konnte, ob ein Punktabzug nötig war oder nicht.

Und dann kam für Vulprechts, und Dietmar Miersch und mich aus Cottbus die Einladung zum Turnier in Dongen NL am 31.03.2007. Zusammen mieteten wir uns ein Taxi, dessen Fahrer Andreas Bölke uns mit betreute. Wir hatten schon auf meiner neuen Platte etwas geübt, trotzdem waren die holländischen Platten und der Spielmodus eine große Umstellung für uns. Die gute Organisation, die freundschaftliche Atmosphäre und das Verständnis beeindruckten uns sehr. Es war ein wunderbares Erlebnis. Am 04.08.2007 konnten wir die Gastfreundschaft erwidern, indem wir ein Freundschaftsturnier in unserem Garten organisierten, zu dem wir neben Vulprechts, Torsten Wolf und Christel Jung aus Berlin auch Ingrid Welling und Peter de Cock aus den Niederlanden einluden. Wir konnten dieses mal mit Originalbällen aus Holland spielen.

Am 08.09.2007 fuhren wir wieder zu einem Turnier nach Tilburg NL. Dietmar konnte erstmals einen Pokal nach Deutschland entführen. Es hatte sich bereits eine Freundschaft mit den Holländern entwickelt, die bis heute anhält. Ingrid und Peter haben uns immer bei der Vorbereitung und Durchführung unserer Freundschaftsturniere unterstützt, wofür wir ihnen sehr dankbar sind.

Das Jahr 2008

Es war uns gelungen, zwei neue Spieler für unsere Gruppe zu gewinnen, endlich auch eine Frau. Nun waren wir 6 Spieler: Siegfried Krause, Helmuth Küchner, Dietmar Miersch, Gabriele Mitschke, Manfred Roblik und Reinhard Winkelgrund. Zwar sind vier unserer Spieler schon Altersrentner, aber Showdown kennt keine Altersgrenze.

Am 29.03.2008 nahmen Dietmar Miersch, Vulprechts und ich wieder am Dongen Turnier teil. Über eine Bekannte bekam ich Kontakt zu Jaroslav Pata in Tschechien und erhielt eine Einladung zum Wettkampf in Krnov am 03.-06.07.2008. Auch hier waren die Bedingungen sehr gut. Ich hatte zwar nur wenig Spiele gewinnen können, aber viel Erfahrung gesammelt und viele nette Menschen kennen gelernt. Durch dieses Turnier bekam ich auch Kontakt zu Herrn Lühl, der als Deutscher in Frankreich als Vorsitzender des ersten französischen Showdown Vereins versucht, diesen Sport zu verbreiten.

Die Jahre 2008/2009

Ins Internet gestellte Presseberichte über Tischball hatten inzwischen sogar die Universität Hamburg erreicht. Für die Studienrichtung Behindertenpädagogik habe ich eine Platte gebaut, mit der sie diese Sportart im Norden Deutschlands verbreiten möchten. Im Kurshaus vom Förderzentrum für Sehbehinderte Schleswig ist es ihnen schon gelungen, Interesse zu wecken. Also musste ich wieder eine Platte bauen.

Zum Tag der Behinderten bat uns die Stadtverwaltung, im Mai, unsere Platte auf dem Stadthallenvorplatz in Cottbus aufzustellen. Nicht nur Blinde, sondern auch Kinder, Schüler und Studenten spielten mit Freude. Sogar der Oberbürgermeister ließ es sich nicht nehmen, mit einem abdunkelnden Augenschutz den Ball zu schmettern. Auch hat er uns Unterstützung zugesagt.

Aber auch schon vorher haben viele Freunde und Verwandte und sogar sehende Sportler von internationalen Leichtathletik Meetings aus den USA, Großbritannien,Kanada, Japan unter anderen in unserer Garage gespielt. Das zeigte wieder einmal, dass Showdown nicht nur für Wettkämpfe, sondern vor allem zum Spaß genutzt werden kann.

Der BBSV ist jetzt sehr aktiv. Der Schnupperkurs im Mai 2009 hat viele Blinde aus ganz Deutschland mobilisiert. Auch der Leistungsstand hat sich wesentlich erhöht, seitdem sie regelmäßig trainieren können. Siehe: www.showdown-germany.de

Bei dem abschließenden Wettkampf des Schnupperkurses hatte ich das Glück, den Spreepokal mitnehmen zu können.

Im Juli wurde ich zu einem Turnier in Prag eingeladen, an dem neben Vulprechts auch Jürgen Beer als Spieler teilnahmen.

Der Höhepunkt der sechsjährigen Entwicklung von Showdown in Deutschland war natürlich die erstmalige Teilnahme deutscher Spieler an der WM in Stockholm. Krister Olenmo hatte Jürgen Beer, mich und Thorsten Wolf dazu eingeladen.  Ich bin dorthin gefahren mit dem Vorsatz, nicht Letzter zu werden. Das perfekt organisierte Turnier und die freundliche Atmosphäre haben alle sehr beeindruckt. Dafür kann man Krister Olenmo nicht genug danken. Als ich dann sogar 24er insgesamt und bester Deutscher wurde,freute ich mich natürlich. Jürgen und Thorsten schlugen sich mit Platz 31und 30 aber auch unerwartet stark.

Die Monate August und September brachten aber auch noch weitere Kontakte zu Showdown-Interressenten in Köln, Dresden, Kassel und weitere Städte, was die nächsten Monate die Zahl der Showdown-Gruppen bestimmt ansteigen lässt.

Am 26.09.2009 werden wir im Spreewald ein "Freundschaftsturnier" durchführen, an dem 5 Holländer, 7 Berliner , 2 Tschechen und leider nur 2 Cottbuser als aktive Spieler teilnehmen wollen. Viele Nachbarn, Freunde und Verwandte haben sich bereit erklärt, uns dabei zu unterstützen. Aus räumlichen Gründen ist unsere Teilnehmerzahl wieder begrenzt. Dies ist aber auch nicht so schlimm, denn nicht alle Showdown-Spieler wollen auch an Turnieren teilnehmen. Deshalb bleibt unser Motto: Wir spielen aus Spaß und Freude.

Bericht verfaßtvon Gerlind und Reinhard, Cottbus, im September 2009.

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