Wir sind Vize-Europameister! Danke, Antje.

Mit einiger Verspätung möchte ich die außergewöhnlichste Leistung in unserer Sportart in diesem Jahr und bisher überhaupt würdigen. Zu diesem Zweck habe ich mir noch einmal den Artikel von der 1. Deutschen Meisterschaft durchgelesen.... Das ist nun eineinhalb Jahre her und es ist genauso eingetroffen wie Krister Olemno es vorausgesagt hatte. Antje Samoray ist Vize-Europameister 2012.

Ich bin als Schriftsteller dieses Artikels nur bedingt geeignet, da ich als Schiedsrichter während der Europameisterschaft in Mailand nur wenig Gelegenheit hatte die Spiele der deutschen Teilnehmer zu verfolgen. Entsprechend kann ich nur wenig über das gesamte Team schreiben ... Andererseits hatte ich natürlich immer ein Auge auf die Ergebnisse der Deutschen und besonders auf die, der größten Hoffnung aus deutscher Sicht - Antje Samoray.

Da das Turnier nun schon einige Monate zurück liegt, kann ich mich nicht mehr an die Einzelheiten der Vorrunde erinnern, aber letztlich ist das auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass Antje auf ihrem Weg ins Finale nach und nach alle Gegnerinnen aus dem Weg räumte, in ihrer ganz eigene unnachahmlichen Art und Weise - immer auf sich selbst und ihr Spiel konzentriert. Das einzige Spiel, das ich von Antje zumindest teilweise gesehen habe, war das Finale gegen Hanna Vilmi.

Hanna war als zweifache Europameisterin und Weltranglistenerste die klare Favoritin in diesem Best-of-Five-Match und das Spiel schien seinen vorbestimmten Verlauf zu nehmen. Ziemlich sang- und klanglos gab Antje den ersten Satz im vollbesetzten Center-Court ab. Wahrscheinlich kam nicht nur mir der Gedanke, dass Antje nun doch Nerven zeigt - wen würde das auch wundern, bei dieser Kulisse und dem Wissen, dass man im Finale der Europameisterschaft steht.

Aber weit gefehlt - im ersten Satz hatte Antje sich ihre Gegnerin "ausgeguckt". Hanna hat im Prinzip keine wirkliche Schwächen, besonders ihre Angriffsschläge hauen so manchen Mann aus den Adiletten. Trotzdem gelang es Antje durch ein variables Spiel eine winzige Schwachstelle in Hannas Spiel zu finden. Immer wieder spielte sie Hann auf deren linken Rückhandseite an. Antjes Schläge waren durchschnittlich hart, aber immer so platziert, dass sie von der hinteren Tischwand über Hannas Schläger direkt an die Mittelbande gesprungen sind. Auf diese Art und Weise schnappte sich Antje einen Punkt nach dem anderen und blieb gleichzeitig in der Verteidigung stabil.

Hanna verlor sichtlich die Nerven und verlor den zweiten und auch den dritten Satz. Antje fehlte nur noch ein Satz zum Titelgewinn! Genau zu diesem Zeitpunkt musste ich den Raum verlassen, um mich auf meinen eigenen Einsatz vorzubereiten. Aber offensichtlich hat irgendetwas im vierten Satz nicht mehr gepasst. Vielleicht war es doch die Angst vor der eigenen Courage? Egal, am Ende ist der Titel der Vize-Europameisterin eine phantastische Leistung. Antje hat ihn sich durch ihr konstantes, konzentriertes Spiel und stetige Ausweitung ihrer Möglichkeiten mehr als verdient.

Herzlichen Glückwunsch im Namen der gesamten deutschen Showdown-Gemeinde!

Am Abend des selben Tages sass ich mit einigen anderen Schiedsrichtern und der kompletten finnischen Mannschaft bei einem Kaltgetränk zusammen. Zu vorgerückter Stunde fragte mich einer der Finnen: "Warum hat Antje im Finale ihre erfolgreiche Taktik plötzlich aufgegeben? Sie hätte das Spiel auf jeden Fall gewonnen."  Diesen Satz lasse ich einfach mal so stehen und wir werden sehen, was im nächsten Endspiel passiert.

Den nächsten Einsatz hat Antje in drei Wochen beim European Top 12 Turnier in Schweden. Hier gibt es nur Endspiele - 11 Stück davon, gegen die besten Spielerinnen Europas. Viel Glück Antje, aber eigentlich brauchst das gar nicht - du bist auch so gut genug.

Man sollte nicht vergessen, wie wichtig es für den deutschen Showdown-Sport ist, eine Spielerin von internationalem Format zu haben. Es wird für offizielle Stellen immer schwieriger Showdown zu ignorieren, wenn wir bereits internationale Erfolge feiern und es ist an der Zeit, dass wir uns in der Öffentlichkeit anders und selbstbewusster darstellen.

 

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